Haben Sie Fragen? Annette Nowak antwortet

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hier finden Sie häufig gestellte Fragen rund um die Themen: TINNITUS, PARTNERSCHAFT und persönliche HERAUSFORDERUNGEN.
Auch Ihre Frage oder Ihr Beitrag ist willkommen. Schreiben Sie mir via Facebook oder senden Sie eine E-Mail an frage@annette-nowak.de  Die Antworten finden Sie dann hier auf meiner Praxis-Website.

 

Wie stark belastet Sie ihr Tinnitus?
Die Schwere und Belastung durch Tinnitus erlebt jeder Betroffene anders. Anhand des Tinnitus-Kurztest, der auf dem anerkannten Tinnitus-Fragebogen von Prof. Goebel und Hiller basiert, können Sie die Intensität Ihrer Belastung  selbst ermitteln. Der Selbsttest zeigt Ihnen eine Momentaufnahme ihres subjektiven, tinnitusspezifischen Belastungsgrad. Im Testergebnis werden vier Schweregrade unterschieden: leicht-, mittel-, schwer- und schwerstgradige Tinnitusbelastung. Zudem werden hilfreiche Maßnahmen näher erläutert. Eine fachkompetente Tinnitusberatung  kann sofort helfen, Ihr Leiden zu lindern und typische Fehler im Umgang mit den Ohrgeräuschen zu vermeiden.

>Tinnitus-Kurz-Test (DTL)

 

Kann eine Vollnarkose meinen Tinnitus verstärken?

Frau B. suchte meine Praxis auf, um mit fachlicher Unterstützung ihren Tinnitus zu bewältigen. Sie stellte mir besorgt die Fragen: "Kann eine Vollnarkose meinen Tinnitus verstärken?"
Antwort: „Hinsichtlich des Tinnitus wirken alle modernen Narkoseverfahren prinzipiell erst einmal tinnitusmindernd, weil diese Medikamente von ihrer Struktur her natürlich ähnlich wirken wie Schlafmittel und Betäubungsmittel. Von daher ist zumindest im Normalbetrieb keine Gefahr von solchen Anästhetika zu erwarten. Dennoch vollziehen sich während der Operation und dabei natürlich auch in der Narkose vielfältige Veränderungen, von der Lagerung des Patienten bis eben zu dem operativen Eingriff selbst, die durchaus Einfluss haben können, auf eine veränderte Homöostase (Gleichgewicht) des Menschen.
In Gefolge dessen kann natürlich auch der Tinnitus beeinflusst werden, insbesondere, wenn verständlicherweise Ängste mit der Narkose selbst oder dem operativen Eingriff verbunden werden, oder wenn sich etwa nach dem Aufwachen aus der Narkose sozusagen erst die ganze Dimension des bis dato nötig werdenden Eingriffes erschließt und dabei auch der Tinnitus lauter wird.“

Mit körperlicher und seelischer Stabilisierung gehen die Ohrgeräusche jedoch i.d.R. auf die ursprüngliche Intensität zurück.

 

Quelle:  "Auszug aus der „Anästhesist“ ," Tinnitus nach Narkose" Dr. Schaaf, Kampe, Hesse (Heft 4, 2004 Springer S. 358 - 361 2004)

Wie wirksam ist Tinniwell ?
Beim Treffen des Fachlichen Beirats der DTL in Würzburg berichtete Prof. Goebel über diese Therapie, bei der frequenzgefilterte Musik über Kopfhörer gehört wird, gemixt mit einer Wärmebehandlung im Außen- und Mittelohr. Studien hierzu liegen nach Wissen des Beirats gar nicht vor. Der Fachliche Beirat kann insoweit hierzu keine Empfehlung abgeben.

(Quelle: Tinnitus-Forum 2-2018) 

Was ist Bruxismus?
Das Fachwort  Bruxismus ist aus dem griechischen abgeleitet und bedeutet "Zähneknirschen“. Das Zähneknirschen tritt im Schlaf während der REM-Phase auf, so dass wir es gar nicht merken. Unbehandelt nutzen sich jedoch die Zähne ab und weitere Symptome und Beschwerden können ausgelöst werden, wie etwa Tinnitus, Muskelverspannungen, Kopf- und Kieferschmerzen. Bruxismus kann neben rein somatischen den Kiefer betreffenden Ursachen auch psychische Ursachen haben. Ängste, Stress und Alltagsorgen zählen zu den häufigsten Auslösern des nächtlichen Zähneknirschens. Müssen Sie sich sprichwörtlich durchs Leben beißen? Sind Sie zerknirscht? Kauen Sie auf einem Problem herum? Müsse Sie etwas zähneknirschend hinnehmen? Klärende Gespräche können Abhilfe schaffen. 

Kann eine Flugreise sich negativ auf meine Ohrgeräusche auswirken?
"Ich leide nun seit einem Jahr unter Tinnitus. Ich möchte bald in die USA fliegen. Nun mache ich mir grosse Sorgen, dass der Lärm im Flugzeug meinen Tinnitus verschlimmert. Ich habe dies auf dem letzten Flug trotz Gehörschutz erlebt. Dieser dauerte jedoch nur 2 Stunden, jetzt habe ich einen Flug von 12 Stunden vor mir. Ich hatte mir extra angepassten Gehörschutz anfertigen lassen, jedoch nützt dieser nicht mehr als normale Ohropax. Was raten Sie mir zu tun? Ich möchte auf keine Fall meinen Tinnitus verschlimmern. Und die Lärmbelastung im Flugzeug während 12 Stunden ist ja doch erheblich." A. S.

Antwort: Grundsätzlich dürfen Tinnitusbetroffene sorgenfrei fliegen. Sie müssen nicht befürchten, dass der Tinnitus dauerhaft lauter wird. Die Tinnitus erzeugenden Mechanismen spielen sich fast ausschließlich im Innenohr und /oder Gehirn ab. Diese werden durch den beim Flug auftretenden Druckunterschied nicht berührt. Zwar kann der Fluglärm tinnitusverstärkend wirken, in der Regeln jedoch nur vorrübergehend. Beschwerden ergeben sich häufig beim Starten und Landen am Mittelohr durch Druckunterschiede. Hier unterscheiden sich Tinnitusbetroffene jedoch nicht von anderen Flugreisenden. Beide Personengruppen sollten beim Landeanflug für einen Druckausgleich sorgen. Schlucken Sie regelmäßig, damit sich die für den Druckausgleich wichtige Eustachische Röhre öffnet. Das kann man auch schon vor Beginn der Landung tun.

Kann Akupunktur bei Tinnitus helfen?
Akupunktur gehört zu den anerkannten Naturheilverfahren und hat Ihre Wurzeln in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Dort wird sie bereits seit einigen hundert Jahren angewandt. Auch in der westlichen Medizin wird dieses Naturheilverfahren praktiziert und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei vielen Krankheiten empfohlen.
Die Wirksamkeit von Akupunktur bei Tinnitus wurde an der Universitäts-HNO-Klinik Göteborg erforscht. Die durchgeführten Studien haben gezeigt, so Dr. E. Biesinger, dass Tinnitus durch Akupunktur zwar nicht beseitigt werden kann, dass jedoch Folgeprobleme wie Schlaflosigkeit und Konzentrationsstörungen positiv beeinflusst werden und dadurch auch die Ohrgeräusche.
Bei Ohrakupunktur wird der Tinnitus nicht etwa "weggestochen", sondern das Wirkprinzip basiert darauf, dass die im Ohr gesetzten Nadeln den Lebensenergiefluss (Qi) in den Meridianen (Leitbahnen) des menschlichen Organismus positiv beeinflussen.
Der Mensch verfügt über 12 Hauptmeridiane, auf denen 361 Akupunkturpunkte liegen, die sich jeweils auf ein bestimmtes Organ- oder Funktionssystem im menschlichen Körper beziehen.
Abgeraten wird von der Elektro-Akupunktur am Ohr, da sie die Ohrgeräusche teilweise verschlechtert habe.

 
Ein turbulentes Jahr geht zu Ende. Um die Adventszeit etwas achtsamer zu gestalten, finden Sie jetzt täglich ein Adventstürchen des GFK-Adventskalenders auf meinem >Praxisblog.
 
Adventskalender

 

 

 

 

 

 

Helfen Gingkopräperate bei Tinnitus?
Die Heilpflanze Ginkgo wird aus den Blättern des Ginkgobaums gewonnen und in Apotheken unter den Namen "Tebonin" und "Gingko Biloba" in Form von Tabletten, Tropfen, Lösungen und Kapseln angeboten. Laut Herstellern sollen Ginkgopräperate  in Bezug auf Ohrgeräusche insbesondere eine verbesserte Durchblutung des Innenohrs bewirken. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Wirkstoffe von Ginkgo keine direkte Wirkung im Innenohr entfalten und für die Behandlung von Tinnitus nutzlos sind. Ganz unabhängig davon wurde in medizinischen Studien mittlerweile nachgewiesen, dass die Durchblutung des Innenohres prinzipiell nur eine verschwindend geringe Rolle bei Tinnitus spielt.
Kann Egoismus gesund sein?
Egoismus ist ein heikles Thema und tatsächlich gibt es in unserer Gesellschaft viele  Menschen, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und dafür in Kauf nehmen, andere auszunutzen. Ebenso oft, treffen wir auf den Typ Mensch, der seine eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte permanent hintenanstellt und sich aufopfert -  mitunter sogar ungefragt. Bei genauer Betrachtung kann auch dieses Verhalten, so erstaunlich das klingen mag, egoistische Züge tragen. Wie also kann gesunder Egoismus aussehen? Fragen Sie zunächst sich selbst, was Sie fühlen und brauchen. Fragen Sie dann den anderen, was er fühlt und von Ihnen braucht. Kann kein echter Kompromiss ausgehandelt werden, ist Ihr Mut zur liebevollen Abgrenzung und zu einem "nein" gefragt. Denken Sie daran, Sie sind mindestens so wichtig wie Ihr Gegenüber.
 

"Tinnitrack" ein neues Wundermittel gegen Tinnitus ?
Derzeit wird eine Smarthphone-App mit dem Namen „Tinnitrack“  in den Medien hochgejubelt und von den meisten Krankenkassen sogar bezahlt.
„Tinnitracks“ werden bei chronischem, tonalem Tinnitus (mit stabiler Tinnitus-Frequenz 200 Hz -20 Hz) eingesetzen. Tonal ist beispielsweise ein pfeifendes, nicht-tonal ein brummendes Ohrgeräusch. Die Anwendung des Tinnitracks erfolgt über ein volles Jahr. Sie hören täglich 90 Minuten lang ein Musikstück Ihrer Wahl, aus dem ihre persönliche Tinnitusfrequenz herausgefiltert wurde. Hierfür bestimmt der HNO-Arzt im Vorfeld möglichst exakt Ihre individuelle Tinnitus-Frequenz. Beim diesem Tinnitus-Matching  werden Ihnen Töne zum Vergleich mit ihren Ohrgeräusch/en vorgespielt.  Bereits hier kann es kompliziert werden, denn oft fällt es nicht leicht, die eigenen Töne im Ohr zu beurteilen. Nach dem Prinzip der Neuroplastizität soll die speziell aufbereitete Musik des "Tinnitracks" die überaktiven Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns beruhigen und damit eine nachhaltige Linderung des Tinnitus bewirken. Der Erfolg ist noch fraglich. Nutzer von „Tinnitracks“ berichten, sie fühlten sich vom täglichen Hören der Musik bald genervt. Fachleuten zu Folge wird der Erfolg des "Tinnitracks"  lediglich mit dem Placeboeffekt ( keine Heilung ohne Glaube ...) gleichgesetzt. Mich erinnert der  "Tinnitrack" und seine Verheißung  an den  "Tinnitus-Masker" und  "Tinnitus-Noiser"  -  also alter Wein in neuen Schläuchen?