Karin kommt mit Tom (Namen geändert) im „Schlepptau“ in meine Praxis. Karin und Tom ihr Ehemann haben Tinnitus. Aber nur Karin leidet unter ihren Ohrgeräuschen. „Das verstehe ich nicht“, sagt Karin. Karin ist Technische Zeichnerin und Tom ein erfolgreicher Ingenieur. Beide haben viel um die Ohren. Karins Chef kommt mit kniffeligen Angelegenheiten prinzipiell nur zu ihr. Auch Tom ist die "Nummer Eins", wenn es brennt. Er hat viel im Ausland zu tun. Tom beschreibt, dass ihn seine Ohrgeräusche noch nie wirklich beunruhigt oder interessiert hätten. Karin hingegen leidet mittlerweile unter Schlafstörungen und Panikattacken. Sobald sie nach Hause kommt, lauscht sie, ob ihr nerviges Zischen in den Ohren und das Brummen im Kopf noch hörbar sind.

Ich frage beide, ob sie eine Hypothese haben, was sie unterscheiden könnte. Tom, wie aus der Pistole geschossen: „Karin muss dauernd etwas tun. Ich hingegen habe gerne mal Feierabend und meine Ruhe.“ Tom nervt, dass Karin oft noch kurz vor Ladenschluss zum gemeinsamen Großeinkauf "bläst". "Ja dass stimmt“, sagt Karin, und wenn wir übers lange Wochenende verreisen, fange ich gleich nach der Arbeit mit dem packen an. Das Paar hat eine klassische Arbeitsteilung. Karin packt und Tom fährt die lange Strecke nach Hamburg zu den Verwandten.    

Deutlich wird: Karin muss ihr Leben dringend entschleunigen. Sie nimmt in meiner Praxis am  "Basis-Tinnitus-Retraining" teil und lernt zudem mit autogenem Training entspannen. In der fünften Sitzung sagt sie: „Das hätte ich Ihnen zu Anfang nie geglaubt“. Meine Ohrgeräusche sind wie weg und ich schlafe wieder prima durch. Ich träume sogar. “ Karins Zugang zu ihrer Traumseele wahr über viele Jahre verschüttet. Bei unserer Abschlusssitzung strahlt sie : " Es geht mir richtig gut.  Meine neuen Minipausen und die Tasse Tee beim nach Hause kommen lasse ich mir von Niemanden nehmen, nicht mal von mir selbst!"
Tom möchte, sobald er aus dem Ausland zurück ist, gerne auch ein paar Einzelsitzungen wahrnehmen. Er hat bei sich ein Thema entdeckt, dass er auch mal besser verstehen will.

Warum kleine Pausen gut tun!

Hier einige Tipps wie Sie richtig entspannen:

Besser gleich als später

„Pausen sind am erholsamsten, wenn sie prompt auf Phasen der Anstrengung folgen. Wer
Dagegen die Mittagspause einspart, um früher zu gehen, wird abends erschöpfter sein. Ideal ist:
vor- und nachmittags ein bis drei kurze Pausen und dazwischen eine  Mittagspause von 20 bis 45 Minuten.

Besser kurz als nie

Wer dazu öfters Minipausen einlegt (zwischen 30 Sekunden und fünf Minuten) - zum Beispiel immer wenn man eine größere Aufgabe erledigt hat -, verbessert seine geistige Aktivität um etwa zehn Prozent.

Abwechslung hilft

Nichtstun ist nicht erholsam. Denn die Gedanken hängen weiter am Job fest. Abwechslung entspannt: ein Gang um den Block, Kopfkreisen und Räkeln, eine Mini-Fantasiereise.

Zu guter Letzt

Laut Studien lässt ein Viertel von uns die Pausen komplett weg, meistens aus Angst, die Arbeit nicht zu schaffen. Dabei gehen Arbeitsmediziner davon aus, dass man Rückenprobleme oder auch Erschöpfung minimieren könnte, wenn wir Pausen ernster nehmen würden. "

 

(Quelle: Woman Magazin, Beruf 08-18, S. 112, Pausenforschung, Entspanne dich richtig).